Neue Presse


Sonnabend, 24 April 2004


Der verletzliche Weisheiten-Millionär
Von K.-R. Würger


Lothar Habler ist ein vorsichtiger Mann: Er fragt, wie der Bericht,
den wir über ihn schreiben wollen, wohl aussehen wird: „Groß? Klein? Was Nettes?“
Habler weiß: Wenn man so schamfrei wie er über Liebe und Leben, über Glück und Geborgenheit, über Hoffnung und Himmel kleine Zweizeiler schreibt, dann kann man darüber große Witze machen. Als wir ihm „Fairness“ als dauerhafte Arbeitsgrundlage anbieten, freut er sich: „Fairness kennt keine Verlierer.“
Wahr. Wie wahr. Eine Erkenntnis, die zu formulieren Habler keinen Lidschlag Zeit gekostet hat: Die Fähigkeit, die Dinge wie in einem Reflex zusammenzufassen und in einem optimistischen Sinnspruch zu formulieren – die hat der Dichter.

Habler ist ein Demagoge für das Gute.

Er lebt zwar in Springe, aber seine Sprüche kennt das ganze Land.
Mehrere Millionen Kunstkarten mit seinen Weisheiten, „die die Seele berühren sollen“, wurden bereits verkauft. Viele davon in den 3500 Verkaufsagenturen der Deutschen Post.

Hat ihn das reich gemacht? „Unabhängig“, sagt er bescheiden.

Lothar Habler ist ein unheilbarer Optimist.
„Ich möchte, dass die Menschen die Schönheit und die Chancen
ihres Lebens erkennen.“


Wenn er das, was er zu sagen hat, „nicht mit dem Herzen sagen kann,
dann lass ich es nach“.

Aber offenbar ist Hablers Herz leistungsfähig: Er dichtet wie am Band zur Geschäftslage, zum Kosmos, zum Glück im Allgemeinen und zum Unglück im Speziellen, zum Guten, zum Bösen, zu diesem und jenen.

Beliebig? Bei Habler nie. Es ist immer fundamental. “Die Wahrheit hat stets Gewicht“, sagt der Dichter, wenn man ihn fragt, ob er es nicht eine Nummer kleiner hat. Liebe, Genesung, Trost – da will sein Talent hin.

Hablers Markterfolg liegt an seiner Glaubwürdigkeit.

Der Mann mit dem Silberhaar und den bergkristallklaren Augen
ist kein zweifelhafter Schiffschaukelbremser-Typ.
Er macht nicht auf „weise“. Habler ist jemand, dem es gegeben ist,
seine Lebenserfahrungen ungebremst zusammenzufassen.

Habler ist kein missionarischer Narr. Er war Offizier, Manager, Unternehmer.
Der Menschenfreund wird bestrahlt von einem Glückstern,
der seinen Charakter ausleuchtet und trotzdem keinen Schatten wirft.
„Ich gebe“, sagt der Aphorismus-Automat mit Blick auf seinen Ausstoß,
„immer die volle Breitseite. Mein Ziel ist es, positive Signale zu senden.“

Was treibt diesen Mann an?
Waisenkindern aus Konfliktländern,
die durch Krieg und Terror elternlos geworden sind, ein neues Heim zu geben.

Woher schöpft er die Kraft?
Aus seinem unerschütterlichen Glauben sowie aus dem Zuspruch
und dem aktiven Beistand treuer Freunde.

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